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Generationen-Treff - Glaube früher und heute

Aufhänger der Diskussion war zunächst ein Zitat unseres Stammapostels Jean-Luc Schneider vom 25. Oktober 2015 in Buenos Aires:

„Wir können nicht verlangen, dass unsere Jugendlichen dieselben Lasten tragen, die wir getragen haben. Die jungen Leute leben heute, nicht in der Zeit unserer Jugend. Und es sollte kein Problem für uns sein, wenn sie ihren Glauben auf eine andere Art leben, als wir das taten.“

Im Anschluss daran erzählte Moderator Tobias eine kleine Begebenheit: Eine Gruppe junger neuapostolischer Christen war auf einem mehrtägigen Festival unterwegs. Statt am Sonntag in den Gottesdienst zu gehen, wählten sich die Jugendlichen kurzerhand in den Gottesdienst ihrer Gemeinde ein, hörten diesen am Telefon mit und feierten „symbolisch“ Abendmahl mit gekauften Keksen und Tetrapack-Wein. Die Jugendlichen sahen damit das Bibelwort aus Matthäus 18, Vers 20 erfüllt: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“

Was hält die Generation 60+ von dieser Idee?  

Schwester Kugel fand die Idee, auf diese Weise am Gottesdienst teilnehmen zu wollen, prima. Allerdings gehört für sie die Abendmahlsfeier nicht zwingend zu jedem Gottesdienst, so z.B. nicht unbedingt im Wochengottesdienst! Und sie betonte: „Das Sakrament ist heilig!“ – Es kann also nicht nach Belieben und ohne das bevollmächtigte Amt gefeiert werden.

Auch Bischof im Ruhestand Koch meinte: „Die Gemeinschaft der Gläubigen ist mehr, als den Gottesdienst mitzuhören.“  

Apostel Kühnle bekräftigte dies und sagte, man müsse sich bewusst sein, was Gottesdienst bedeute: die Gemeinschaft von Gläubigen zur gleichen Zeit am gleichen Ort, zur Anbetung Gottes. Das Abendmahl sei kein symbolischer Akt, es bedürfe vielmehr auch des bevollmächtigen Amtes, das Brot und Wein aussondert – eine „Abendmahlsfeier“ in der eingangs geschilderten Form sei absolut nicht möglich.

„Wie aber ist das mit Telefonübertragungen? Das ist eigentlich doch ähnlich!“ – warf Moderator Tobias ein.

Apostel Kühnle erklärte daraufhin, die Telefonübertragungen seien für Glaubensgeschwister gedacht, die über einen längeren Zeitraum die Gottesdienste nicht besuchen können. Zum Beispiel aufgrund von Krankheit und Behinderung. Und er wiederholte, das Abendmahl brauche Gemeinschaft. So würden auch die Geschwister in regelmäßigen Abständen besucht, um gemeinsam Abendmahl zu feiern. Zuletzt bat er eindringlich darum, nicht einfach gleichsam aus Bequemlichkeit via Telefonübertragung an den Gottesdiensten teilzunehmen.  

Ansprechendere Gottesdienste

Zentrales Thema war an diesem Nachmittag auch die sinkende Zahl der Gottesdienstteilnehmer. „Was muss passieren, dass Gottesdienste ansprechender werden?“, fragte Moderator Tobias in die Runde.

Die Antwort von Jasmin, einer Jugendlichen – viel Action reinbringen, das brauche es nicht. Problem in den Wochen-Gottesdiensten sei allerdings häufig, dass nach ihrer Erfahrung 95% der teilnehmenden Geschwister keine Jugendlichen seien und sich die Predigt an und nach dem Großteil der Gemeinde richte.

Bischof i.R. Koch bestätigte diese Wahrnehmung und verwies auch auf die „Wortlastigkeit“ unserer Gottesdienste, die der heutige informationsüberflutete Mensch kaum noch aufnehmen könne.

Die Frage, wo die Kirche die Verantwortung sehe – bei sich selbst oder der Jugend –, beantwortete Apostel Kühnle mit der Gegenfrage: „Was ist Kirche? Wer ist Kirche? Wir sind Kirche!“ und lud alle Teilnehmer ein, sich bewusst und aktiv ins Gemeindeleben einzubringen.

Das griff Schwester Kugel auf und wünschte, dass die Geschwister mehr mitgestalten dürften. Sie kritisierte, dass es keinen Kirchengemeinderat gebe und Beschlüsse einfach umgesetzt würden, ohne dass vorher eine Anhörung stattfinden müsse.

Und damit war ein drittes großes Thema angeschnitten – Frauenordination!

Frauenordination


Hierzu machte Apostel Kühnle noch einmal deutlich, dass über 50 Prozent der Christenheit keine Frauenordination kenne, ja teils Frauenordinationen aus theologischen Gründen sogar wieder abgeschafft würden. Es gebe diesbezüglich auch keinen direkten Hinweis Jesu, jedoch Ansätze im Neuen Testament. Gleichzeitig hob er hervor, was für tolle Erfahrungen er bisher mit Glaubensschwestern gemacht habe, die auch seelsorgerisch tätig sind – zum Beispiel als Jugendhelferinnen.

„Und das fängt im Kleinen an“, ergänzte Elena, eine der jungen Schwestern auf dem Podium. Sie habe sich vorgenommen, in einem Gottesdienst für eine Person in der ersten Reihe besonders zu beten, im darauffolgenden Gottesdienst für eine Person in der zweiten Reihe … Zudem nicht gleich nach dem Gottesdienst zu verschwinden, sondern sich mit den Geschwistern ihrer Gemeinde zu unterhalten. Zu fragen, wie es geht. „Und das können auch Frauen, die kein Amt tragen!“, betonte sie.

Schwester Kugel ging das nicht weit genug. Es gebe in vielen Gemeinden kaum noch ausreichend Amtsträger und gleichzeitig ein hohes Potential gläubiger Schwestern, meinte sie. Ihr Appell an die jungen Schwestern heute: „Seid Pioniere!“

Auf die Frage, warum die Kirche so langsam sei und meist gesellschaftlichen Entwicklungen hinterherhinke, antwortete Apostel Kühnle, Kirche müsse Vertrauen vermitteln. Tradition spiele diesbezüglich eine zentrale Rolle. „Wir kommen nicht ohne Tradition aus“, erklärte er. Und fügte hinzu: „Dabei geht es nicht darum, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzutragen – und das braucht Beharrlichkeit!“